Bevor wir ins eigentliche Thema einsteigen, eine kleine Frage zum Warmwerden:
Muss dein Team eher aus homogenen oder heterogenen Persönlichkeitstypen bestehen, um möglichst effizient zu arbeiten?
Wenn du spontan denkst: „Auf jeden Fall heterogen!“, dann müssen wir dich ein wenig bremsen.
Es stimmt zwar, dass große Heterogenität agile und projektbasierte Teams voranbringt – unterschiedliche Sichtweisen und Kompetenzen machen komplexe Aufgaben leichter lösbar. Ebenso profitieren Organisationen von einer vielfältigen Leitung, die schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren kann.
Aber: Was ist mit den vielen Teams, die tagtäglich ähnliche Aufgaben haben?
Die Nordakademie fand heraus: Je homogener das Team, desto effizienter arbeitet es.
Es gilt also wie so oft: Genau hinschauen lohnt sich.
Ein bewährtes Modell bietet der britische Forscher Meredith Belbin.
Er untersuchte, wie Menschen in Teams zusammenarbeiten und stellte fest: Bereits früh im Leben prägen Persönlichkeit und Sozialisation unser Verhalten so stark, dass im Berufsleben typische, wiedererkennbare Verhaltensmuster entstehen.
Diese lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:
Natürlich ist niemand ausschließlich einem Typ zuzuordnen – es geht um stärker oder schwächer ausgeprägte Züge.
Stell dir einmal die Frage:
Wie würdest du die 100 % deines Teams auf diese drei Kategorien verteilen?
Dir fallen sicher nicht nur Menschen ein, sondern auch typische Stärken und Schwächen.
(Tipp: Ordne selbst, welche Rolle zu welcher Kategorie gehört – die Lösung findest du am Ende.)
Wiebke kennt die richtigen Leute, um Projekte voranzutreiben – intern wie extern. Sie vernetzt sich aktiv und kommuniziert regelmäßig mit allen möglichen Beteiligten.
Manchmal braucht sie einen kleinen Realitäts-Check, weil sie von Grund auf Optimistin ist.
Malik packt an, denkt pragmatisch und schreckt vor Hindernissen nicht zurück. Auf ihn ist Verlass – besonders, wenn es eng wird.
Er bringt Energie mit, sollte aber gelegentlich gebremst werden, da er zu Ungeduld neigt.
Parveen sieht jedes Detail. Sie entdeckt Fehler, bevor sie jemand anderes bemerkt, und strebt nach dem optimalen Ergebnis.
Ihre Genauigkeit ist ihre Stärke – und manchmal auch ihre Bremse, wenn sie Angst hat, etwas abzugeben.
Samir ist Experte auf seinem Gebiet. Er liefert Fachwissen und sichert die Qualität der Arbeit.
Gelegentlich verliert er sich etwas zu sehr in Details und vergisst das große Ganze.
Bao hält sich zurück, beobachtet scharf und analysiert nüchtern.
Sie ist das menschgewordene Qualitätsmanagement: strategisch, ruhig, analytisch – aber selten inspirierend im Sinne von „Anfeuerung“.
Kofi übernimmt Verantwortung, strukturiert Abläufe und moderiert Entscheidungen.
Er tritt souverän auf und ist oft Vorbild. In seiner Stärke liegt aber auch die Gefahr, dominant oder steuernd zu wirken.
Ulla sorgt dafür, dass Pläne Realität werden. Sie arbeitet zuverlässig, zielorientiert und effektiv.
Nur spontane Planänderungen sind nicht ihre Lieblingsdisziplin.
Noor denkt in Möglichkeiten. Sie sprüht vor Ideen, verlässt gerne bekannte Pfade und findet kreative Lösungen.
Manchmal darf sie sich aber etwas von Ullas Zielstrebigkeit abschauen.
Tania ist der soziale Kitt des Teams. Sie vermittelt, schafft Vertrauen und sorgt für ein gutes Klima.
In Situationen, die schnelle Entscheidungen verlangen, zögert sie manchmal – aus Rücksicht auf alle Beteiligten.
Na, hast du dich selbst oder Kolleg*innen wiedererkannt?
Es lohnt sich, das eigene Team zu analysieren: Wer ist der Erfinder, wer die Koordinatorin – und wie ergänzen sich die einzelnen Stärken?
Wie die Studie gezeigt hat, kann es je nach Arbeitskontext sogar hilfreich sein, ein homogeneres Team zu haben – zum Beispiel, wenn Aufgaben sehr klar definiert sind und wenig Flexibilität erfordern. Dann ist es wichtig viele Umsetzer und Macher dabei zu haben. Vorsichtig sollte man dann wiederum werden, wenn sich in vielen Jahren keine Veränderung mehr abzeichnet. Irgendwann braucht es auch in fest eingefahren (funktionierenden) Strukturen wieder ein*e Erfinder*in, die Prozesse neu denkt.
Quelle:
Eisermann, Heußner, Ivanov & Scheffer (2016): Teameffizienz: Vor- und Nachteile von Homogenität, Nordakademie – Hochschule der Wirtschaft
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